Über Ayurveda

(einige Aspekte)

Geschichte/  Ursprung

Der Name kommt aus dem Sanskrit eine der ältesten Sprachen der Welt. Sie stammt vom Indogermanischen ab. Sanskrit wird nur noch in einem kleinen Teil Indiens gesprochen und kommt in einem Teil der buddhistischen Verse vor. Sanskrit ist die Sprache der ayurvedischen Wissenschaft.

 

Übersetzung in Sanskrit:

Ayus= Leben

Veda = Wissen/ Wissenschaft

 

Die grossen Weisen, die sogenannten Rishis, in den damaligen Industal-Gebieten bis nach Indien und Sri Lanka haben ein Wissen weitergegeben, welches durch die Beobachtungen, Messungen und Auswertungen von den Menschen, den Tieren, der Natur, der Jahreszeiten und der Wirkungsweise der Pflanzen entstanden ist.

 

Diese Wissenschaft wird bis heute gelehrt und angewendet.

In den Lehrschriften, Sammelwerke, den sogenannten Samhitas, wurde diese Wissenschaft in Versform festgehalten. Diese sind Bestandteil der Veden. Es gibt drei grosse und drei kleine Sammelwerke, welche von den damaligen Ärzten, die bei den Rishis lernten, unter anderem in den Upanishaden (die den zu Füssen des Lehrers Sitzenden) niedergeschrieben wurden.

Die ersten Beschreibungen sind bereits im 6. Jahrhundert vor Christus notiert worden.

Ayurveda gilt nicht nur als eines der ältesten Heilsysteme der Welt, sondern ebenso als eine der am besten dokumentierten Heilkünste des Altertums.

 

Philosopie

„Was immer wir selbst tun können, um unsere eigene Gesundheit zu stärken, wirkt besser als das, was andere für uns tun.“ (David Frawley, zeitgenössischer Ayurveda Experte)

 

Aus den Grundlagen der Philosophie leiten sich die 3 Hauptsäulen ab:

Seele = Atman

Geist = Mana

Körper = Sharira

Sinneswahrnehmungen = Indria (gelten als zusätzlich)

Diese sind gleichermassen wichtig und werden somit alle im Ayurveda berücksichtigt.

 

Physikalisch–chemische Grundlagen des Ayurveda

Alle Lebewesen sind der Mikrokosmos im Makrokosmos und der Mikrokosmos ist abhängig vom Makrokosmos.

Beide bestehen aus den gleichen 5 Elementen, den sogenannten Panchamahabhutas (Pancha= 5, Mahabhutas= Elemente):

Luft= Vayu (Eigenschaften: trocken, beweglich, rauh, kalt, leicht)

Äther = Akash (Eigenschaften: feinstofflich, klar, subtil)

Wasser = Apo / Jala (Eigenschaften: flüssig, fliessend, kühl, weich)

Feuer = Agni / Teja (Eigenschaften: heiss, penetrierend/spitz, flackernd, scharf)

Erde = Pritvi (Eigenschaften: schwer, grobstofflich, kalt, schleimig, fest)

Alle Lebewesen bestehen aus diesen 5 Elementen, resp. deren Eigenschaften.

Diese Elemente, speziell deren Attribute, resp. Eigenschaften, sind sowohl für den Aufbau des Mikrokosmos wie auch für den Makrokosmos grundlegend.

Es braucht die Balance dieser Elemente im Lebewesen, damit Wachstum und Gesundheit möglich ist.

 

Konstitutionen, Bioenergien - Die drei Doshas: Die Problemverursacher

Die Kommunikation zwischen Körper und Geist ist nicht so einfach weil der Körper grobstofflich ist und der Geist feinstofflich ist.

 

Deswegen braucht es ein vermittelndes Prinzip zwischen den Beiden.

Dieses Prinzip sind die drei Doshas (Bioenerergien, Konstitutionen).

 

Übersetzt heisst Dosha „das Probleme verursachende“ (Prinzip).

Die drei Doshas, Vata, Pitta und Kapha verleihen einem Lebewesen seine individuelle Konstitution und regulieren seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Diese drei Doshas sind Kombinationen der oben genannten Elemente.

Die Qualitäten, Attribute der Doshas sind einerseits feinstofflicher andererseits grobstofflicher Art.

Diese drei Doshas sind Konstitutionen eines jeden Menschen, respektiv Lebewesen, da eines oder mehrere in ihm vordergründig vorhanden sind. Jedes Dosha setzt sich aus zwei Elementen und deren Eigenschaften zusammen:

 

VATA = Luft und Äther

Bewegungsprinzip

Eigenschaften:

Trocken, kalt, leicht, feinstofflich, beweglich, klar

Daraus resultierende Vata Funktionen:

-­     Bewegung

-­     Atmung

-­     Aktivitäten in Gang setzen

-­     Anregung des Verdauungsfeuers

-­     Ausscheidung

-­     Embryo-­Entwicklung

-­     Verantwortlich für Sinneswahrnehmungen

-­     Bildung und Aufbau der Leitbahnen

-­     Sprechen

-­     Hochstimmung

-­     Begeisterung

-     Kreativität

 

PITTA= Feuer und Wasser

Energieprinzip

Eigenschaften:

Etwas ölig, heiss, penetrierend/spitz, flüssig, sauer, fliessend, scharf

Daraus resultierende Pitta Funktionen:

        -   Verdauung

        -   Katabolismus

        -   Sehvermögen

        -   Wärme

        -   Erzeugt Energie

        -   Hautfärbung

        -   Tapferkeit

        -   Wut / Ärger

        -   Intelligenz

        -   Hunger

        -   Durst

        -   Durchhaltevermögen

 

KAPHA= Wasser und Erde

Aufbau- Strukturprinzip

Eigenschaften:

Schwer, kalt, weich, ölig, süss, stabil, schleimig

Daraus resultierende Kapha Funktionen:

-­     Körperkraft und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten

-­     Anabolismus

-­     Potenz

-­     Ölen und fetten der Körpergewebe

-­     Schmiere der Gelenke

-­     Nährung

-­     Toleranz

-­     Zufriedenheit

-­     Geduld

-­     Stabilität

 

Wenn diese drei Doshas im Menschen im Gleichgewicht sind, rufen sie positive Veränderungen hervor. 

Anatomie, Physiologie und Psychologie werden in der ayurvedischen Medizin nicht getrennt.

Auch Krankheiten werden den Doshas, resp. den Eigenschaften zugeordnet. 

Ebenso gibt es Dosha Unterarten, welche genauer beschreiben, wo sich der lokale Standpunkt und die Funktion des sogenannten Dosha im Körper befindet.

Aufgabe des Ayurveda Spezialisten ist es das Ursprungs-­ Dosha, die sogenannte Prakriti der Lebewesen zu erkennen und dieses wieder in Balance zu bringen. Das heisst die Eigenschaften der vorhandenen Imbalance, der sogenannten Vikriti, im Lebewesen zu reduzieren.

Es gibt diverse Einflussfaktoren auf die Konstitutionen/ Doshas eines Lebewesen vor der Geburt:

  • Zusammensetzung der fünf Elemente
  • Beschaffenheit der Samen und Eizelle der Eltern (Genetik)
  • Zeit und Jahreszeit während der Empfängnis
  • Atmosphäre innerhalb des Uterus
  • Ernährung und Lebensweise der Mutter

Einflussfaktoren nach der Geburt:

  • Soziale Schicht
  • Kultur
  • Familie
  • Traumatas
  • Räumliche Faktoren, Umwelt, Heimatland
  • Zeitalter
  • Alter

So ist die Anamnese und Diagnostik komplexer Art um zu eruieren welche Elemente und deren Attribute in einem Menschen erhöht oder reduziert werden müssen.

 

Geist (Mana)

Der Geist wird noch zusätzlich von einer anderen Seite betrachtet.

 

Drei Grundprinzipien sind die drei Gunas:

Rajas= Aktivität, Ruhelosigkeit, Ärger, Ego

Tamas = Trägheit, Dunkelheit, Passivität

Sattva= Reinheit, Harmonie, Güte, Klarheit

Um eine stabile geistige, respektive psychische Gesundheit zu erreichen ist es erforderlich und notwendig, dass Sattva über den anderen beiden Gunas dominiert.

Die Gunas werden in der Samkhya Philosophie auch als die Qualitäten der Ur-Natur, Weltentstehung beschrieben.

 

Das  Prinzip  des Verdauungsfeuers

Agni

Übersetzt heisst „Agni“ Feuer.

Damit ist die Verdauungskraft gemeint. Die Attribute, Qualität und Menge der Nahrungsmittel beanspruchen auf unterschiedliche Weise unser Verdauungsfeuer und unsere Energie.

Agni ist in seiner Natur „sauer“ und für die Zerlegung von Nahrungsmitteln zuständig.

Es gibt verschiede Agnis:

Das Hauptverdauungsfeuer (Hauptverdauungsprinzip)

Das Elementenfeuer (Zerlegung nach den Attributen, der Elementen)

Das Gewebefeuer (Aufteilung in die verschiedenen Gewebe)

Wie wir uns fühlen und wie unser Gesundheitszustand ist, hängt mit der Verdauungskraft eng miteinander, weswegen Ayurveda das Verdauungsfeuer ebenfalls zentral behandelt.

 

Gewebe und Sekundärgewebe

Dhatus & Upadhatus

Ayurveda befasst sich mit der Qualität und Quantität folgender Gewebe und deren Sekundärgewebe:

Plasma (Sekundärgewebe: Muttermilch und weibliche Fortpflanzungssubstanzen)

Rote Blutzellen (Sekundärgewebe: Blutgefässe und Sehnen)

Muskelgewebe (Sekundärgewebe: Haut und Muskelfett)

Fettgewebe (Sekundärgewebe: Bänder und Nerven)

Knochen

Knochenmark

Fortpflanzungsgewebe

Ebenso befasst sich Ayurveda mit Abfallprodukten: Stuhl, Urin, Schweiss, Haare, Nägel

 

Gesundheit und Krankheit im Ayurveda

Ziel besteht aus zwei Aspekten:

  1. Erhaltung und Förderung der Gesundheit des Gesunden
  2. Beseitigung der Krankheit des Kranken

 

Definition von Gesundheit des Ayurveda

-­ Svastha -­

Svastha bedeutet übersetzt: Selbst stehen --- Im Selbst verweilen. Es bedeutet mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit.

Der Ayurveda verbindet die Psyche und den Körper und sogar noch darüber hinaus die Seele zum ganzheitlichen Betrachtungspunkt eines Lebewesens. Die eigene innere Natur zu erkennen und zu leben, ist die Voraussetzung und das Ziel für ein langes, gesundes und erfülltes Leben.

Ayurveda  ist  wahrhaftig  ein  ganzheitliches,  integrierendes  Medizin-­  Therapie-­  sowie Lebensphilosophiesystem, das nicht trennt, sondern verbindet und integriert.

Krankheiten werden im Ayurveda als Disharmonie und Imbalance des inneren Gleichgewichts bezeichnet.

Für die Ayurveda Medizin sind die Prävention und Krankheitsbehandlung gleichwertige Ziele.

Hiermit unterscheidet sie sich deutlich von anderen Medizinsystemen.

Der Ayurveda behandelt nicht nur die Symptome oder die Krankheit, sondern den ganzen Menschen.

Es braucht sieben Stabilitäten im Bereich Seele, Geist, Körper und Sinneswahrnehmung, um nach Ayurveda gesund zu sein.

  Diese sind:

  1. Das Gleichgewicht der Doshas
  2. Das Gleichgewicht der Verdauung und des Stoffwechsels
  3. Gute Gewebsqualität
  4. Ausgeglichene Ausscheidungsfunktion
  5. Normale Funktion der Sinnes-­ und Handlungsorgane
  6. Freude und Klarheit des Geistes
  7. Freude der Seele/ Glücksgefühl unabhängig äusserer Umstände   

 

   Sechs Krankheitsstadien

  1. Stadium der Akkumulation
  2. Stadium der Provokation
  3. Stadium der Ausbreitung, Einwanderung in andere Bereiche
  4. Stadium der Lokalisierung, Festsetzung in Geweben
  5. Stadium der Manifestation, volle klinische Symptomatik
  6. Stadium der Komplikationen, Chronizität

Als ayurvedische Fachperson ist es ganz wichtig zu erkennen, wo sich der Mensch befindet, um eine angepasste, situationsgerechte Behandlung zu gewährleisten.

 

Es gibt acht Zweige (acht Fachbereiche) im Ayurveda

  1. Innere Medizin
  2. Chirurgie
  3. Hals-­ Nasen- Ohren-­ Medizin
  4. Kinder-­ und Frauenheilkunde
  5. Toxikologie
  6. Psychiatrie
  7. Prävention
  8. Aphrodisiaka/ Reproduktionsmedizin

 

Ayurvedische Behandlungsmethoden

Gesundheitserhaltende Massnahmen, Prävention:

-­     Ernährung

-­     Körperbehandlungen

-­     Konstitutionsgerechte tägliche Routinemassnahmen

-­     Den Jahreszeiten angemessene Lebensweise

-­     Psychische und spirituelle Massnahmen

-­     Präventivmedizin

-­     Panchakarma

 

Krankheitsbeseitigende, reinigende Massnahmen:

-­     Chirurgische Massnahmen

 

-­     Panchakarma:

      Vamana= therapeutisches Erbrechen

      Virecana= therapeutisches Abführen

      Asthana Basti=  Reinigende flüssige Einläufe

      Anuvasana Basti= nährender Einlauf mit medizinierten Fetten

      Nashya = intranasale Anwendung von Medikamenten

      Raktamokshana= Blutentzug

Panchakarma eignet sich sowohl zur Gesundheitserhaltung als auch zur Krankheitsbeseitigung und folgt damit präzise dem erklärten Hauptziel des Ayurveda. Es ist ein höchst wissenschaftliches Konzept die akkumulierten Substanzen drastisch auszuleiten.

Eine klassische Panchakarma-Behandlung dauert minimum 30 Tage und erfolgt als stationäre Behandlung.

 

Ayurvedische Medizin

Mineralien: Edelsteine, Metalle (inform von Asche)

Tierprodukte: Horn, Nägel, Haare, Panzer, Feder, Milch, Urin, Sekretion (Erzeugnisse aus dem Tierreich werden verwendet ohne den Tieren Schaden zuzufügen)

Pflanzliche Produkte: Ganze Pflanzen, Pflanzenteile wie Wurzeln, Knospen, Stängel, Blüten, Rinde, Holz, Früchte, Samen, Sekretionen wie zb. Harz oder Milch

 

Verschiedene Verabreichungsformen

-­    Frischsäfte

-­    Paste

-­     Dekokt= Abkochung

-­     Kaltwasserentzug

-­     Pulver

-­     Pillen

-­     Sirup

-­     Ghees

-­     Öle

-­     Fermentiertes Präparat aus Frischsaft oder Dekokt

Erkrankungen des Bewegungsapparats (z.B. Rheuma, Arthrose, Osteoporose, Rücken- und Gelenksbeschwerden sowie weitere Schmerzthemen), Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Neuralgien), Erkrankungen der Haut (z.B. Psoriasis, Gicht, Akne, Dermatitis), Stoffwechselerkrankungen (z.B. Übergewicht, Diabetes mellitus), Erkrankungen des Herz- und Kreislaufssystems (z.B. Hypertonie, weitere Herzprobleme), Erkrankungen der Atemwege (z.B. Asthma bronchiale, Bronchitis, Rhinitis), Darmerkrankungen (z.B. Gastritis, Reflux, Opstipation, Diarrhoe, Blähungen, Reizdarm, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Erkrankungen des Harntrakts (z.B. Zystitis), psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Stresserkrankungen, Schlafstörungen, Burnout), Hals-Nasen-Ohren und weitere Erkrankungen des Kopfes (z.B. Tinnitus, Erkältungskrankheiten, Nasennebenhöhlenentzündung, Augenerkrankungen), Frauenerkrankungen(z.B. Menstruationsprobleme, Endometriose, Menopausebeschwerden, unerfüllter Kinderwunsch), sowie Immunsystemschwäche (z.B. Allergien und weitere Abwehrschwäche) und weitere Erkrankungen

können erfolgreich mit Ayurvedamedizin behandelt werden.

 

Ayurveda Medizin kann bei fallscher Diagnostik und laienhafter Anwendung konträr wirken. Die Kräutermedizinpräparate haben starke Wirkungen und so müssen die Behandlungen und Präparate, wie auch die medizinierten Öle gezielt und bewusst von dementsprechend ausgebildetem Spezialist verabreicht werden.

 

Die Herstellung der Medizin ist im Ayurveda von grosser Bedeutung, denn sie soll vom Mediziner in vollkommener Bewusstheit und lebensbejaender Einstellung zubereitet und verabreicht werden. So werden Mantras, Gebete und Rituale bei der Zubereitung angewendet.

Ayurveda benutzt nur biologische und keinerlei synthetische Mittel!!!


  Kumuduni A. S. Röllin